Machen wir es kurz: Seit ich diese ganzen amerikanischen, gut gemachten Krankenhausserien schaue, bin ich der festen Überzeugung, dass ich einen Gehirntumor habe. Aufgrund meiner nicht ganz brillanten Englisch-Kenntnisse und der Tatsache, dass ich mir diese ganze Abendunterhaltung immer am Stück und in der Originalversion anschaue, habe ich keine Ahnung was die Symptome dafür sind. Außer vielleicht eine veränderte Wahrnehmung der Realität. Mein Leben kommt mir wie eine riesige Freakshow vor, in der jede Einheit ein einziger Spaßverein ist. Es könnte sein, dass das eine veränderte Realitätswahrnehmung ist. Das ist allerdings nicht der Punkt auf den ich hinaus will. Der Punkt ist: Ich bin ein Hypochonder, der sich nicht um seine Krankheiten schert, aber durch den Einfluss dieser ganzen Serien kommen mir ständig skurrile Ideen.
Ich studiere irgendwie auch. Manchmal. OK, ich bin die faulste Bachelor-Studentin, die Berlin je gesehen hat, aber ab und an bin ich da und schreibe auch Hausarbeiten und halte Referate. Und das Wissen, das ich daraus gezogen hat, lässt mich vermuten: Dr. House kultiviert. Im Sinne der Kultivierungshypothese.
Kurz zusammengefasst: Die Kultivierungshypothese geht von der Übernahme der Fernsehrealität bei quantitativen Fernsehkonsum aus. Sprich: Wenn ich mehr als 4 Stunden vor diesem hübschen Gerät hänge und eine Gewalttat nach der anderen ansehe, bekomme ich Angst, weil ich glaube, dass so die Realität aussieht. George Gerbner hat sich das ausgedacht und mit seinem Forschungsteam viel darüber nachgedacht. Es auch mit Studien belegt. Leider wurden diese vielfältigst zerrissen und an allem herumgemeckert. Natürlich auch an dem Fakt, dass George den genrespezifischen Fernsehkonsum für unwichtig bei der Kultivierung hielt, weil irgendwie immer im Einheitsbrei die gleichen Botschaften vermittelt werden. Finde ich auch falsch.
Gehen wir doch also mal von meinem Fall aus: Ich schaue also mehrere Folgen einer amerikanischen Krankenhaus-Serie hintereinander. Also genrespezifisch. Nicht 4 Stunden am Tag, aber dafür am Stück. Genug, wie ich finde. Nicht Vielseher, aber viel genug. In vielen der Folgen ist der Patient an irgendeiner Form von Tumor erkrankt. Oftmals Gehirntumor. Ich glaube seitdem auch, dass ich einen habe. Was natürlich unwahrscheinlich und Schwachsinn ist. Aber ich komme zu dem Schluss: Liebes genrespezifisches, amerikanisches Fernsehen, Du hast mich kultiviert.
Ein Glück, dass ich studiere. Stellt euch doch mal vor, ich hätte für meine Fernsehrealität jetzt 10 Euro bezahlt!
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